Die Jugendpsychologie ist ein zentraler Bestandteil der Ausbildereignung, um die Bedürfnisse und Verhaltensweisen von Auszubildenden besser zu verstehen.
1. Entwicklung im Jugendalter
Was ist Sozialisation?
Sozialisation ist der Prozess der Einordnung des (heranwachsenden) Individuums in die Gesellschaft und die damit verbundene Übernahme gesellschaftlich relevanter Einstellungs- und Verhaltensmuster. Im Gegensatz zur reinen Erziehung (gezielte Beeinflussung) umfasst Sozialisierung auch unbewusste und indirekte Einflüsse der Umwelt.
Pädagogische Strömungen
- Pädagogischer Pessimismus (Extreme Anlagentheorie): Entwicklung ist weitgehend genetisch determiniert. Erziehung hat kaum Einfluss.
- Pädagogischer Optimismus (Extreme Umwelttheorie): Der Mensch ist durch Erziehung und Umwelt beliebig formbar.
- Pädagogischer Realismus (Wechselwirkungstheorie): Entwicklung ist ein Zusammenspiel aus Erbanlagen, Umwelt und der Selbststeuerung des Individuums.
Entwicklungsaufgaben (nach Havighurst / Dreher & Dreher)
Jugendliche müssen in dieser Phase spezifische Aufgaben bewältigen:
- Aufbau neuer und reiferer Beziehungen zu Altersgenossen beiderlei Geschlechts.
- Übernahme der männlichen oder weiblichen Geschlechtsrolle.
- Akzeptanz der eigenen körperlichen Erscheinung.
- Emotionale Unabhängigkeit von Eltern und anderen Erwachsenen.
- Vorbereitung auf das Berufsleben.
Wann ist man nach Havighurst erwachsen? Wenn man eine stabile Identität, finanzielle Unabhängigkeit und die Fähigkeit zur Gründung einer eigenen Familie erreicht hat.
2. Die Gruppe
Definition und Merkmale
Eine Gruppe zeichnet sich durch eine überschaubare Anzahl von Personen aus, die über einen längeren Zeitraum in Interaktion stehen, gemeinsame Ziele verfolgen und eine Wir-Gefühl (Kohäsion) entwickeln.
Gruppenprozesse und Rollen
Typische Phasen der Gruppenbildung sind:
- Forming (Anstoßphase): Kennenlernen, Unsicherheit.
- Storming (Konfliktphase): Machtkämpfe, Rollenklärung.
- Norming (Regelungsphase): Festlegung von Normen.
- Performing (Leistungsphase): Effektive Zusammenarbeit.
Typische Gruppenrollen:
- Der Anführer (Star)
- Die Mitläufer
- Der Außenseiter / Sündenbock
- Der Experte
- Der Clown / Spaßvogel
Formelle vs. Informelle Gruppen
- Formelle Gruppen: Durch die Organisation vorgegeben (z.B. eine Abteilung oder Projektgruppe). Klare Ziele und Hierarchien.
- Informelle Gruppen: Entstehen spontan durch Sympathie oder gemeinsame Interessen (z.B. die Pausengruppe).
Die Peer-Group
Die Peer-Group (Gleichaltrigengruppe) fungiert im Jugendalter als wichtiger Orientierungsrahmen, der bei der Loslösung vom Elternhaus hilft und sozialen Rückhalt bietet.
3. Idole und Vorbilder
- Idole: Werden oft unkritisch bewundert (häufig Personen aus Medien, Sport oder Musik). Sie dienen der Träumerei und Identifikation.
- Vorbilder: Zeichnen sich durch erreichbare Ziele oder konkrete Werte aus. Man eifert ihnen im realen Handeln nach (z.B. der erfahrene Ausbilder oder ein engagierter Verwandter).
- Idoltypen: Es gibt u.a. das “Leistungs-Idol” (Erfolg) und das “Rebellen-Idol” (Abgrenzung).