In einer Ära, in der die Softwarekomplexität moderner Fahrzeuge exponentiell ansteigt, bildet der AUTOSAR-Standard (AUTomotive Open System ARchitecture) das Rückgrat der Steuergeräte-Entwicklung. In meiner Zeit bei Bertrandt habe ich diese Brücke zwischen komplexer Spezifikation und praktischer Anwendung geschlagen, indem ich unternehmensweite Schulungen konzipiert und an verschiedensten Standorten in Deutschland sowie international in Paris (auf Englisch) durchgeführt habe.
Ganzheitlicher Wissenstransfer in zwei Tagen
Das Ziel dieser zweitägigen Intensivschulungen war die Vermittlung des gesamten AUTOSAR-Basiswissens. Dabei stand nicht nur das „Was“, sondern vor allem das „Warum“ im Vordergrund. Die Teilnehmer erhielten einen tiefen Einblick in die geschichtliche Entwicklung und die Kernziele des Konsortiums: Skalierbarkeit, Hardware-Unabhängigkeit und die Wiederverwendbarkeit von Softwarekomponenten über verschiedene Fahrzeughersteller und Plattformen hinweg.
Die Architektur im Detail
Ein wesentlicher Schwerpunkt der Schulung lag auf der Dekonstruktion der mehrschichtigen AUTOSAR-Architektur:
- Application Layer (ASW): Hier wurden die Konzepte von Software-Komponenten (SWCs), Ports und Interfaces erläutert, die durch die strikte Abstraktion vollkommen hardwareunabhängig entwickelt werden können.
- Runtime Environment (RTE): Als „Klebstoff“ des Systems vermittelt die RTE zwischen der Applikation und der Basissoftware. Wir haben analysiert, wie der Virtual Functional Bus (VFB) die Kommunikation abstrahiert, bevor sie auf konkrete Bus-Topologien gemappt wird.
- Basic Software (BSW): Hier tauchten wir ein in die Schichten der Services (System, Memory, Communication), der ECU-Abstraktion und des Microcontroller Abstraction Layer (MCAL).
Besondere Aufmerksamkeit widmete ich der Methodik (Methodology): Vom System Configuration Description über den ECU Extract bis hin zur Generierung der ECU Configuration Description (ARXML-Flow) – der rote Faden der Werkzeugkette wurde für die Teilnehmer greifbar.
Theorie vs. Praxis: Die bewusste Entscheidung
Die Schulungen wurden bewusst als reine Theorie-Schulungen konzipiert. In der AUTOSAR-Welt ist die praktische Umsetzung untrennbar mit einem konkreten BSW-Stack (z.B. von Vector Informatik oder Elektrobit) und einem spezifischen Mikrocontroller (MCU) verbunden. Da diese Konfigurationen hochgradig projektabhängig sind, lag der Fokus der Schulung auf dem universellen Verständnis der Standards. Dies befähigte die Entwickler, sich in ihren späteren, konkreten Kundenprojekten schnell in die jeweilige Tool-Umgebung einzuarbeiten.
Durch diese Trainings konnte ich maßgeblich dazu beitragen, das technische Niveau im Bereich der E/E-Architektur bei Bertrandt standortübergreifend zu harmonisieren und die Entwicklungsqualität in sicherheitskritischen Projekten (ASIL) nachhaltig zu steigern.